Im Juli 2006 traf sich erstmals in Rheinland-Pfalz eine bunte Sammlung solar angetriebener Boote in Koblenz auf der Mosel, bei Stromkilometer 3 auf dem ruhigen Wasser des Moselstausees. Veranstaltungsort war das Gelände am Koblenzer Ruderclub Rhenania in der Nähe des Verwaltungszentrums. Hier trainieren zwar sonst nur echte Ruderer, denn der KRCR ist Teil der Deutschen Olympia-Stützpunkte mit entsprechendem Trainingslager, aber an diesem ersten Sonntag im Juli 2006 wurde eine Ausnahme gemacht. Da wurde mit Solarstrom auf der Mosel gefahren, gemütlicher als bei einer Ruder-Regatta.
Koblenz - an Rhein und Mosel - war auch am 30. Juni 2007 erneut Austragungsort des eus Solarboot-Cups. Rund 2000 Teilnehmer und Zuschauer erlebten den 2. eus Solarboot-Cup Rheinland-Pfalz. Dabei trafen sich wiederum Wanderboote mit Solarzellen-Antrieb, vom Paddelboot bis zum kleinen Kajütboot, als auch eine Gruppe von Schulteams, die bis dahin ein solar angetriebenes ferngesteuertes Modellboot gebaut hatten. Insgesamt 65 große und kleine Boote waren 2007 am Start, darunter auch Teilnehmer aus Luxembourg.
Die Schüler setzen sich im Rahmen dieses Förderprojektes mit den Techniken und Bedingungen der Solartechnik auseinander, entwickeln eigene Lösungen rund um Bootskörper und Antrieb und müssen schließlich während einer Solarboot-Regatta ihre Modelle auch eine Zeitlang auf Kurs halten, ohne daß die Energie ausgeht.
Ein zweiter, für Zuschauer und Teilnehmer nicht minder interessanter Teil der Veranstaltung ist der Wertungslauf zur Deutschen Solarboot-Meisterschaft . Diese Veranstaltung gibt es bereits seit vielen Jahren, eine bundesweit "eingeschworene Szene" von Bootsbauern - auch an Schulen - rüstet ihre bemannten Boote mit Solarmodulen, geeigneten Motoren, Elektronik und überwiegend auch Batteriespeichern aus. Unser Solarboot-Cup ist ein Wertungslauf zu dieser Deutschen Solarboot-Meisterschaft. Die Teams reisen aus dem ganzen Bundesgebiet an, werden von der Martin Görlitz Stiftung versorgt und zumindest mit Kostenzuschüssen auch gefördert. Der Solarboot-Cup bietet so auch den Schülern der rheinland-pfälzischen Schulen Kontakte und Gesprächsmöglichkeiten zu "großen" Bootsbauern und engagierten Solarschraubern.
Nachdem der Solarboot-Cup "etabliert" war, haben sich nicht nur immer mehr Schulen mit solaren Modellen beteiligt, sondern teilweise auch größere Boote gebaut, um im Rahmen der Deutschen Solarboot-Meisterschaft mitzufahren. Dies und viele weitere Beispiele erfreulicher "Nebenwirkungen" lesen Sie weiter unten im Abschnitt "Der Solarboot-Cup zieht Kreise".
Wenn die Resonanz auch in den kommenden Jahren so positiv bleibt, sollten wir einige Sponsoren finden, und das Ziel eines noch mehr europäischen Solarboot-Cups , der Schüler mit einer Begeisterung für Energie- und Umweltprojekte in einem Austausch zusammenbringt, ist auch immer noch in unseren Köpfen.
Wenn sich eine Woche vor Ferienende in Rheinland-Pflaz die Teams und Teilnehmer in Koblenz auf dem Moselstausee treffen, ist dies das Ergebnis einer mehrere Monate dauernden Arbeit in Klassenzimmern, Garagen, Bastelkellern und Hinterhöfen. Probefahrten haben stattgefunden, in Schwimmbecken, in Bächen und Flüssen. Diese Zeit und die vielen praktischen Erfahrungen, durchaus angetrieben vom Gedanken an den Wettbewerb, sind ein Resultat der Projektarbeit, das lange über den Wettbewerbstag hinauswirkt.
So kam es, daß der Solarboot-Cup in der Regel jeweils bereits im Januar ausgebucht war. Bald darauf bekam jedes Team seine Förderzusage und einen Betrag von 500 Euro von der Martin Görlitz Stiftung zum Materialkauf. Ab dem dritten Jahr der Teilnahme oder für ein zweites und weiteres Team aus dem selben "Stall" reduziert sich der Betrag auf 200 Euro (Stand: 2008). Dann konnte es losgehen: Über rund ein halbes Jahr sind die Teams in vielen Schulen in Rheinland-Pfalz bei der Arbeit gewesen, und fast alle haben mit viel Einsatz und Begeisterung durchgehalten und ihr Solarboot, teils sogar mehrere, im Unterricht oder in außerschulischen Arbeitsgruppen fertiggestellt.
Die Beschäftigung mit dem Thema Energie, genauer gesagt mit den begrenzten Energievorräten, die unsere Erde auf mittlere Sicht bieten kann, ist das Zukunftsthema schlechthin. Lernen und experimentieren, wie man solare Energie gewinnen und nutzen kann, ist eine wichtige Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit und eine Basis für die Industrien von morgen. Für die Schüler soll dabei eine ganz praktische Erfahrung herauskommen, die Spaß macht und etwas bringt.
Bevor es die heutigen Energienetze für Strom, Gas und Wasser gab, waren unsere Vorfahren ebenfalls auf die gerade verfügbaren Energien angewiesen, oder auf Brennmaterial, das zuvor gesammelt wurde. Solche Erfahrungen sind heute verloren gegangen, die Sicherheit unserer Energieversorgung ist ein im Grunde nicht wahrnehmbares Gut. Gerade deswegen waren die Versuche der Schüler Ansatz für eine Menge Nachdenken und Experimentieren.
Für die Schulteams ging es also mehrere Monate um eine ganz praktische handwerkliche Arbeit, Rümpfe herzustellen, zu spachteln und zu schleifen, und sich über Hydrodynamik und Ablaufverhalten im Wasser Gedanken zu machen. Ein komplexes Paket, bis zur Elektronik, Fernsteuerung und anderem mehr, und natürlich Projektführung und Dokumentation. Endlich war es bei den meisten teilnehmenden Teams dann soweit: Man konnte ausprobieren, ob das „Ding“ denn auch tatsächlich schwimmt. Also raus in die Natur, wo mancher 17-jährige vielleicht schon länger nicht mehr war, weil der Computer zu Hause so viel Zeit braucht. Oder ins Schwimmbad, und das Verhalten des selbst gebauten „Dings“ untersucht. Da fast alle Entwürfe auf Leichtbau mit Styropor-Schaumstoffen setzen, ist dabei sicher keines untergegangen, aber nicht alle sind gefahren. Und nur die Teams, bei denen neben der Begeisterung auch das Projektmanagement und das Durchhaltevermögen geklappt haben, sind dann in Koblenz beim Solarboot-Cup am Start. Zudem hat die Martin Görlitz Stiftung wieder die Aufgabe gestellt, die sicher den meisten Teams eher lästig war, aber einen wichtigen Lerninhalt darstellte: Es muß eine Dokumentation erstellt und eingereicht werden, in der die Überlegungen und Vorarbeiten beschrieben sind.
Bei deren Auswertung, übernommen von Lehramts-Studenten der Universität Koblenz, konnte in vielen Fällen eine erstaunliche Kreativität und eine intensive Beschäftigung mit dem Thema festgestellt werden. Da war die Vergabe der Bewertungspunkte nicht ganz einfach. Zudem mußte berücksichtigt werden, daß die Schülerteams im Altersdurchschnitt zwischen elf und 18 Jahren lagen, also ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbrachten. Der Solarboot-Cup besteht deshalb aus verschiedenen Wertungen, nämlich den eigentlichen Rennläufen, einem Leistungsprüfstand, einer Bewertung der Dokumentation, der Präsentation und letztlich auch des Gesamtdesigns durch eine fachkundige Jury aus dem Bereich der betrieblichen und universitären Ausbildung.
Teilnehmer in der Klasse der Modellboote haben bereits mehrfach auf ihren Schulseiten über den Solarboot-Cup berichtet. Die Fritz-Straßmann-Realschule, Mainz, hat sowohl 2006 als auch 2007 teilgenommen. Auf der Internet-Seite wurden schöne Projektberichte eingestellt: Teilnahme 2006 Teilnahme 2007
Bereits 2006 haben einige Schulen auf ihren Internetseiten kleine Berichte der Bautätigkeit im Rahmen der eus Förderung veröffentlicht. Hier als Beispiel das Gymnasium an der Stadtmauer in Bad Kreuznach, hier klicken für den Bericht. Jedes Team erstellt über seine Arbeit eine kleine Dokumentation, die am Veranstaltungsort eingesehen werden kann.
Das Gymnasium Nonnenwerth berichtet ebenfalls über die Teilnahme 2006 und 2007 am Solarboot-Cup. Das Nonnenwerth ist eine besonders schön gelegene Insel im Rhein bei Remagen. Die Schüler müssen also morgens und mittags mit der Fähre übersetzen. So entstanden natürlich gleich Pläne, hierfür ein Solarschiff einzusetzen. Bis dahin ist aber bau- und kostenmäßig noch ein weiter Weg. Deshalb wollen die Schüler vom Gymnasium Nonnenwerth in diesem Jahr erstmals auch ein "großes Boot" bauen. Das gibt also eine erneute Schiffstaufe am 14. Juni, wenn alles glatt läuft. Am 14. Juni gab es eine Schiffstaufe in Remagen. Dr. Guido Müller vom Gymnasium Nonnenwerth konnte auch erfolgreich weitere Sponsoren finden, siehe Bericht , so dass die Solarboot-Aktivitäten mittlerweile in ein weiteres Projekt Eingang gefunden haben, eine Teilnahme am Programm Junior-Ingenieur-Akademie der Telekom Stiftung.
An der Berufsschule Lahnstein gibt es einen besonderen Ausbildungsgang zum Solartechniker. Als in unmittelbarer Nähe in Koblenz der Solarboot-Cup ausgeschrieben wurde, nahm die BBS Lahnstein natürlich teil, und 2007 entstand der komplette Eigenbau-Katamaran, der auf den Fotos 2007 bestens zu sehen ist.
Diese und andere Beispiele zeigen, wie der Solarboot-Cup aus Koblenz Kreise zieht und viele hundert Schüler begeistert, auch über den Wettbewerb und die Arbeit in den schulischen Projekten hinaus.
(C) 2008 GÖRLITZ Stiftung