In den ersten Jahren nach ihrer Gründung war die Stiftung rein fördernd tätig. Es wurden auf Antrag Fördermittel vergeben, die in den verschiedensten Projekten mit einem Bezug zum Stiftungszweck eingesetzt wurden. Einige Beispiele:
Es gab aber auch von Anfang an eigene Projekte.
(Verkehrskonzepte)
Solaranlage Schwimmbad Stolzenfels
Einer der ersten Förderbeträge der Martin-Görlitz-Stiftung ging an das Waldschwimmbad im Koblenzer Stadtteil Stolzenfels. Insider kennen dieses kleine, beinahe romantische Freibad als eine wirklich schöne, im Hang des Rheintals bei Koblenz gelegene Anlage. Sie hat nur ein Problem: Das Wasser ist immer ziemlich kalt. Das reduziert auch direkt die Zahl der Gäste und damit die Einnahmen. So hatte der Förderverein des Schwimmbades Mitte der 90er Jahre die Idee, eine einfache solare Wassererwärmungsanlage zu bauen. Das Wasser des Schwimmbades läuft dabei unmittelbar durch schwarze Kunststoffrohre auf dem Dach des Umkleide- und Restaurationshauses.
Diese Anlage wurde damals von der Martin-Görlitz-Stiftung anteilig finanziert.
Photovoltaikanlage Pollenfeldschule
Der Verein ÖKOSTADT Koblenz e.V. koordiniert den Bau von Photovoltaikanlagen zur Stromgewinnung im Raum Koblenz. Das erste Projekt war 1998 eine 1kW-Anlage auf dem Dach der Pollenfeld-Schule in Koblenz-Metternich. Die Martin-Görlitz-Stiftung Stiftung hat die Hälfte der Kosten übernommen, einen weiteren Teil die KEVAG (Koblenzer Energieversorger), der Rest wurde über kleinere Anteile von Privatleuten finanziert.
Die GÖRLITZ AG lieferte kostenfrei die benötigte Technik, um die Daten der erzeugten und eingespeisten Energie fortlaufend zu erfassen und auf einem Internet-Server bereitzustellen. Die Einspeisedaten der PV-Anlage sind für jedermann abrufbar.
Gehen Sie dazu wie folgt vor:
- Anwählen der Internet-Seite des Energy Data Warehouse.
- Einloggen mit den angegebenen Demo-Kennungen
- links oben Auswahl beispielsweise "Grafikansicht"
- In der Linienauswahl "Photovolt Einspeisung 2" (+) anklicken und danach durch Ankreuzen des Auswahlfeldes auswählen
- gewünschten Tag bzw. Zeitraum eingeben oder einfach "Absenden" drücken.
Die Anlage hat bautechnisch ein kleines Manko, das sich daraus ergab, daß die Anlage in der Nähe des Physikraumes angebracht werden sollte: Gegen 16 Uhr geht die Sonne über das Schuldach, dieses wirft dann Schatten auf die PV-Anlage. Die Profildaten dieser Anlage sind also dadurch erkennbar, daß die Stromerzeugung gegen 16:00 immer rapide nachläßt. Dies ist auch ein gutes Beispiel für Auslegung von Standorten. Andere PV-Daten, die ebenfalls hier auf dem Server frei zugänglich sind, zeigen diesen Effekt nicht. Leicht lassen sich Daten, die in einer Tabelle heruntergeladen wurden, so miteinander vergleichen.
Die Daten werden über Gerätetechnik der GÖRLITZ AG täglich kurz nach Mitternacht auf den Energy Data Warehouse Server geladen. Daher stehen stets Daten bis einschließlich des letzten Tages zur Verfügung. Der Aufwand für die Übermittlung von Daten in Echtzeit würde sich bei diesem Projekt und der geringen Ausbeute an Energie nicht rechtfertigen. Hier ein typisches Bild der Einspeisung aus dieser Anlage, in der Spitze am gezeigten Tag 65 W (Basis: Viertelstunde), also elektrische Leistung am oberen Punkt 260 Watt. Der Abbruch gegen 16:00 Uhr ist deutlich zu sehen.
Feststoff-Biomasse-Vergasung
Die Erzeugung von Strom aus Biomasse erfährt seit längerem eine steigende Beobachtung. Im Bereich Biomasse-Vergasung und in der nachfolgenden Steuerung, Regelung und Motortechnik wird derzeit stark experimentiert und geforscht. Die Martin-Görlitz-Stiftung hat in diesem Zusammenhang ein Projekt anteilig unterstützt, das sich mit der Biogaserzeugung aus Feststoffen beschäftigt, namentlich aus ganzen heimischen Pflanzen, die zur Vergärung gebracht werden.
Wiederaufbau der Brückenmühle, Waldheim
Im August 1992 kam es durch anhaltende Regenfälle insbesondere in Tschechien im Zuflußgebiet der Elbe zu einem "Jahrhundert-Hochwasser", das in weiten Teilen von Sachsen erhebliche Schäden verursachte. In einer beispielhaften Aktion haben damals auch viele Bundesbürger freiwillige Hilfsdienste geleistet, im Hochwassergebiet Sandsäcke gefüllt und am Deichschutz mitgearbeitet.
Die Martin-Görlitz-Stiftung Stiftung hat hier ebenfalls einen Beitrag leisten wollen und dazu ein Objekt gesucht, das möglichst auch dem Stiftungszweck nahekommt. Durch Vermitlung des Sächsischen Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit wurde der Kontakt zur Brückenmühle Waldheim hergestellt. Die Brückenmühle liegt im Landkreis Döbeln ca. 3 km nach der Talsperre Kriebstein, die unvorstellbare Wassermassen unkontrolliert und ohne Vorwarnung abgelassen hat, direkt an der Zschopau in exponierter Lage gegenüber dem Rathaus der Stadt Waldheim. Das Betriebsgelände und die betrieblichen Einrichtungen der Brückenmühle wurden durch das Jahrhundertereignis vom 12./13.08.2002 vollständig überflutet.
Die Brückenmühle ist der größte Einzelschaden der Stadt Waldheim. Sämtliche seit der Wiedervereinigung getätigten Investitionen sind in großem Umfang zerstört oder äußerst stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Erwerbsquellen der Brückenmühle sind dadurch komplett ausgefallen. Der Betrieb der Brückenmühle umfasst primär den Betrieb einer Wasserkraftanlage. Zudem die Vermietung einer Arztpraxis, die im Zuge der Sanierung eines direkt an das Mühlengebäude anschließenden klassizistischen Wohn- und Geschäftshauses ausgebaut wurde.
Die Investitionen in die Wasserkraftanlage waren im Wesentlichen 1995 und 2000 getätigt worden. Mit der Wasserkraftanlage wurde das komplette Anwesen bewirtschaftet. Sowohl die Fassade des ehemaligen Mühlengebäudes als auch des Wohn- und Geschäftshauses standen unter Denkmalschutz.
Die Brückenmühle wurde 1994 im Rahmen einer Unternehmensrestitution wieder an die Alteigentümer übertragen und blickt auf eine Firmentradition seit 1701 zurück. Die Wasserkraftturbine der Brückenmühle ist seit 1924 in Betrieb und wurde 1995 zur Stromerzeugung ausgebaut. Der eigentliche Mühlenbetrieb wurde 1999 eingestellt.
Die Förderung der Martin-Görlitz-Stiftung Stiftung ist nach Auskunft des Inhabers für die Instandsetzung von Generator, Getriebe und Schaltschrank verwendet worden. Nachfolgend mit freundlicher Genehmigung der Brückenmühle eine kleine Bildergalerie. Die Bilder lassen sich anklicken und erscheinen dann in voller Auflösung (nur bei guter Internet-Anbindung empfehlenswert)
Die Stauanlage und das Oberwasser unter normalen Umständen
So sah es nach dem Hochwasser im August 1992 aus:




Projekt GUASOL: Solaranlage für ein Kinderheim in Guatemala Ein sehr schönes Projekt, abgewickelt in 2003, war der Bau einer großen solaren Warmwasserversorgung für derzeit 330 Waisenkinder in einem Heim in Guatemala. Hier haben sich deutsche Studenten ganz besonders engagiert und während der Semesterferien in Eigenleistung vor Ort diese Anlage gebaut. Weitere Informationen über das Projekt finden Sie hier.
Verkehrskonzepte
Alternativen für den Autoverkehr.
Die Martin-Görlitz-Stiftung Stiftung hat über mehrere Jahre Experimente und auch Versuchsfahrzeuge unterstützt bzw. selbst betrieben, die gezeigt haben, daß es grundsätzlich auch Alternativen zu unserem bekannten Alltags-Kraftfahrzeug gibt. Hierbei handelte es sich um das auf der nächsten Seite abgebildete Martin-Görlitz-Stiftung Stiftung Elektrofahrzeug, das Martin-Görlitz-Stiftung Stiftung Biodiesel-Bastelfahrzeug, Experimente zur Eigenherstellung von Biodiesel und in diesem Zusammenhang auch der Bau eines Experimental-Pflanzenöl-BHKWs.
Unser Elektroauto
Im Stadtverkehr von Koblenz am Rhein sahen Sie gelegentlich dieses Auto. Es macht keinen Krach, es stinkt nicht, und reiht sich dennoch in den fließenden Verkehr ein. Das Martin-Görlitz-Stiftung Elektroauto war ein Angebot an die Koblenzer Bürger, sich kritisch mit dem Verkehr in den Innenstädten auseinanderzusetzen. Außer als Werbe- und Infomationsträger im laufenden Verkehr wurde es z.B. auf Umweltveranstaltungen präsentiert.
Über Autos mit Elektroantrieb wird viel diskutiert. Je nach Interessenlage gehen die Meinungen dabei weit auseinander. Als breiter Konsens der Fachleute können jedoch folgende Punkte festgehalten werden:
1) Unsere heutigen Fahrzeuge können in dieser Form nicht weiter bestehen. Es ist unsinnig, 80 Kilo Mensch morgens mit 1500 Kilo Fahrzeug zur Arbeit zu transportieren. Damit entsteht die Forderung, sich über unser Transportverhalten mehr und häufiger Gedanken zu machen, im Grunde bei jedem zu lösenden Transportproblem: Weite Strecken mit der Bahn, zur Arbeit mit dem Bus oder dem Fahrrad, zum Einkaufen mit dem eigenen Wagen oder mit dem Taxi, oder eben mit dem Elektroauto!
2) Mit der Überzüchtung unserer häuslichen PKW´s geht einher: Die heutigen Antriebe unserer Fahrzeuge sind völlig übertrieben in Leistung und insbesondere Verbrauch. Das eus Elektroauto hat nur bescheidene 3kW Antriebsleistung - und schafft eine Person bestens durch die Stadt!
3) Eine umweltgerechte und dennoch recht leistungsfähige, also am heutigen "Standard" orientierte Antriebstechnik ist der Hybridantrieb mit Elektromotoren als Antrieb, gespeist aus Batterien oder aus einem Gasmotor, der hoffentlich einmal nachwachsende Rohstoffe verbrennt. Dabei wird auch Bremsenergie wieder genutzt. Solche Fahrzeuge sind schon als Prototypen vorhanden.
4) Das EUS Elektroauto - wie die meisten der heute in kleinen Stückzahlen angebotenen Fahrzeuge - ist als Denkmodell zu verstehen. Dennoch ist es das am meisten verbreitete Fahrzeug dieses Typs: Unter der Bezeichnung City-el wurden in Dänemark ca. 4000 Stück gefertigt. Die Fertigung ist allerdings eingestellt; heute werden (nach aktuellen Informationen) im bayerischen Raum von der Firma City-com als Nachfolgeunternehmen ca. 2 Stück pro Tag in Handarbeit gefertigt. Die Martin-Görlitz-Stiftung hat mit der Auswahl dieses Fahrzeuges und dem Miet-Angebot für interessierte Bürger einen Beitrag zur Diskussion um den innerstädtischen Verkehr geleistet. Das Elektroauto ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluß, und auch die Ausführungsform des hier vorliegenden Fahrzeuges nicht. Eines ist jedoch klar: Wenn wir einen Beitrag zur nachhaltigen Ökologisierung unseres Transportverhaltens und des damit verbundenen Energiekonsums leisten wollen, muß die Auseinandersetzung um das Lieblingsthema "Ich und Mein Auto" geführt werden. Dabei müssen - und können - besonders für den Innenstadtbereich hauptsächlich Leistung und Gewicht reduziert werden. Würde dies auf breiter Basis durchgesetzt, könnte auf eine Vielzahl heute gefahrener Fahrzeuge verzichtet werden. Man denke an das wohl unsinnigste Beispiel des Geländewagens, der nur zum Einkaufen benutzt wird.
Die Martin-Görlitz-Stiftung hat mit ihren Fahrzeug-Projekten nicht darstellen wollen, daß die heute verfügbaren Lösungen umfassend alltagstauglich sind. Das sind sie nämlich leider nur bedingt, und damit kommt es auch nur zu kleinen Stückzahlen dieser alternativen Fahrzeuge.
Biodiesel Peugeot
Dieser tapfere Peugeot 205 GRD hat uns mehrere Jahre als Biodiesel-Versuchs- und Bastelfahrzeug in Koblenz als KO-ES 379 gedient. Bei den Versuchen ging es darum, mit einem Fahrzeug "am Ende seines Autolebens", also mit bescheidenem finanziellen Aufwand, die Frage zu stellen: Fährt denn wirklich ein ganz normales Fahrzeug ohne Zulassung für Biodiesel auch mit Sprit aus regenerativen Quellen? Was kann kaputtgehen - was geht kaputt? Kann man sogar selbst hergestellten Sprit fahren?
Das Fahrzeug ist wie erwähnt mehrere Jahre bei uns tapfer gefahren. Die Schäden, welche altersbedingt von Kupplung bis Durchrostung angefallen sind, wurden in dankenswertem Einsatz von Kollegen der Firma GÖRLITZ AG behoben.
Es erfolgte absichtlich von Anfang an keinerlei Umrüstung auf Biodiesel-Betrieb. Die alten Spritleitungen wurden - das wußte man aus anderen Veröffentlichungen - auch prompt porös und mußten, ein preiswertes Vergnügen, ersetzt werden. Die Einspritzpumpe wurde undicht, über Bekanntschaften bei einem örtlichen Betrieb für Motorüberholungen war auch das umgehend in freundlicher Hilfeleistung zu beheben. Wir haben dann das Fahrzeug einige 10.000 km im Raum Koblenz bewegt, wobei es niemals zu Kraftstoff- oder Motor-Problemen kam. Danach wurde das Fahrzeug wieder weiterverkauft.
Biodiesel Selbstbauversuche
Im Rahmen einer Bastelgruppe überwiegend mit Auszubildenden wurden Versuche angestellt, aus Altfetten und Ölen Biodiesel selbst herzustellen. Dieses Experiment ist im Laborformat relativ einfach. Es gab den Teilnehmern erstmals eine Idee davon, daß man tatsächlich auch Kraftstoffe auf andere Weise gewinnen kann als durch Umformung von fossilem Öl als Primärenergieträger. Natürlich sind die im Laborversuch gewonnenen Kraftstoffe nicht chemisch rein, so daß ein Betrieb in den heute hochgezüchteten Dieselmotoren unter Umständen problematisch sein könnte.
Pflanzenöl-Betrieb
Für den Direktbetrieb von Dieselfahrzeugen mit Pflanzenöl, zur Not aus dem Supermarkt, gibt es verschiedene Verfahren. Die Grundüberlegung ist, ob der Motor dafür umgerüstet wird oder nicht. Wir haben einen Umrüstsatz beschafft, der nach dem Zwei-Tank-Prinzip arbeitet: Zum Starten (und auch kurz vor dem Abstellen) wird der Motor aus einem kleinen Reservetank mit normalem Diesel betrieben. Im Dauerbetrieb wird aus dem Haupttank reines Pflanzenöl gefahren, das über eine Art kleinen Durchlauferhitzer vom Kühlwasser des Motors vorgewärmt wird.
Dieses Verfahren wird in etlichen Fahrzeugen in Deutschland eingesetzt, ist allerdings sicher etwas für Eingefleischte.
(C) 2008 GÖRLITZ Stiftung